afghanistanappell: werkstatt-treff und weiter

16. Mrz 2010 / Um die spezifischen Aspekte des Appells „Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan“ analytisch zu vertiefen, fand am 6. März 2010 im Kulturzentrum Bahnhof Langendreer in Bochum ein Werkstatt-Treff mit 30 Teilnehmenden statt. Lebhaft diskutierte Impuls-Referate von Andreas Zumach, Tobias Pflüger, Margarete und Siegfried Jäger, Johannes Weissinger und Jürgen Link arbeiteten die Besonderheiten dieses „Kriegs der Drohnen und Drogen“ und des Anteils der Bundeswehr daran heraus. Die Beiträge werden in Heft 58 der „kultuRRevolution. zeitschrift für angewandte diskurstheorie“ nachzulesen sein. kRR, AMOS und DISSjournal wollen diese analytische Arbeit schwerpunktmäßig weiterführen und laden dazu weitere Zeitschriften und einzelne Personen zur Mitarbeit ein (Zeitschrifteninitiative „Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan“).

Der Text des Appells wurde im Konsens um einen kleinen Zusatz zur Forderung nach „umgehendem“ Rückzug der Bundeswehr erweitert. Der nun gültige definitive Text kann im Netz (Afghanistanappell.de) nachgelesen werden. Um der Zeitschrifteninitiative innerhalb des Netzes der Friedensgruppen zusätzliche Aufmerksamkeit zu verleihen, bitten wir um weitere Unterschiften und ggf. weitere Spenden für die Anzeige im „Freitag“ (wir gehen davon aus, dass die kleine Erweiterung im Sinne der bisherigen UnterzeichnerInnen ist, die also stillschweigend zustimmen können).

Für die weitere analytische Arbeit zum Afghanistankrieg hat der Werkstatt-Treff vorläufig die folgenden 10 Problemfelder formuliert:

1. Überblick über die hegemoniale, den Krieg begleitende Forschung zu A* (an welchen Unis, in welchen privaten Institutionen usw., welche Hauptvertreter und Experten). Fragen der Geopolitik, der Stützpunktnetze, der Sprachen/Kulturen; muslimischen Strömungen (Taliban u.a.); Theorie des „asymmetrischen Kriegs“ (Herfried Münkler): Selbstmordattentate vs. Drohnen.

2. Theorie und Praxis von CIMIC (Civil-Military Cooperation); welche Expertisen, z.B. an Unis und privaten Instituten; welche NGOs machen mit, welche Projekte sieht die Bundeswehr als Modelle usw.; Niebels Pläne für enge Bindung der Entwicklungshilfe ans Militär.

3. konkrete Strategie, Taktik und Funktionsweise der Bundeswehr im Krieg: Strategie „Clear and Hold“ (Modell Irak) Gezielt töten nach c/k-Listen, wucherndes Informantenwesen; Durchkämmen Haus zu Haus; Eliteeinheiten und ‚normale’ Truppen, deren Verhältnis zueinander und deren Mentalitäten; Aufbau des KSK durch Hoffmann-Freund Reinhard Günzel; Mentalität Kriegszustand, incl. faschistoide Züge

4. „Psychologie“: posttraumatische Störungen und deren Behandlung: Militärseelsorge; Psychiatrie, Stresstraining

5. „Verkauf“ in der Öffentlichkeit: Interdiskurs, mediopolitischer Diskurs; welche Subjektivitäten von Freund und Feind, binäre Reduktionismen („der Westen“ vs. „die Taliban“); elementare Literatur (Doku-Berichte; Reportagen, Blogs?) wie werden die Massen zugegebenermaßen „Unschuldiger“ medial entsorgt? (Defizite Statistik)

6. Fragen des Rechts (Völkerrecht, Strafrecht); besonders: Taktik der „gezielten Tötungen mit CDE“ (Collateral Damage Estimate); c/k-Listen, Rolle der Geheimdienste und ihrer anonymen Informanten

7. welche ‚positiven’ Alternativen zur Sicherheit (Komplex Mädchenschulen usw.)

8. Problemfeld Deutschland als Weltmacht: Rolle in der inoffiziellen militärischen „Welt-Junta“; Verhältnis zur Supermacht USA (incl. Widersprüche); welche „deutsche Identität in der Welt“? Verhältnis zur deutschen Militärgeschichte; Afghanistan-Erbe der DDR: Beziehungen während der sowjet. Besatzung; Übernahme von Experten?

9. Bundeswehr-Propaganda in den Schulen, Jobcentern u.a.

10. Finanzierung; Militärhaushalt und andere Haushalte; Zahlen; incl. Rolle private Military-Firmen

Beiträge zu diesen Problemfeldern sind uns jederzeit willkommen; wir denken an weitere Werkstatt-Treffen und an weitere Publikationen in unseren Zeitschriften.

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