guttenberg bestätigt den afghanistanappell: also jetzt weiter unterzeichnen!

15. Apr 2010 / Nun kann niemand mehr daran zweifeln, worin die „neue Strategie“ der Bundeswehr in A* besteht: im Eskalationskurs. Baron Guttenberg, der zuständige Minister und heimliche Super-Außenminister, verkündet gemeinsam mit dem neuen Generalissimus Wieker an der Front in Kundus die Aufrüstung mit schwerer Artillerie (Panzerhaubitzen 2000), weiteren Gefechtspanzern (Marder), Hubschraubern u.a.

Wenn man den Kontext verstehen will, muss man (so unglaublich das klingt) das als Sensation präsentierte Buch „Unter Beschuss. Warum Deutschland in Afghanistan scheitert“ des jungen Bundeswehr-Politologen Marc Lindemann lesen, in dem dieses Eskalationsprogramm zuvor in allen Einzelheiten (genau die gleichen Waffensysteme) vorgeschlagen worden war. Lindemann war zwar nicht ein bloßer Journalist, sondern über längere Zeit bei der militärischen Aufklärung (Geheimdienste) in Afghanistan eingesetzt, aber trotzdem: Wedelt hier etwa der Schwanz mit dem Hund?

Wohl kaum: Eher ist anzunehmen, dass Lindemann für „Entscheider“ sprach, die ihr Programm im Vorfeld lancieren wollten. Dafür spricht auch die offene, geradezu höhnische Polemik Lindemanns gegen Guttenbergs und Wiekers Vorgänger Jung und Schneiderhan. Obwohl es sicher interessant wäre, über die Auseinandersetzungen in der Generalität auch interpernal-interaktionistische Informationen zu haben, lässt sich darüber natürlich nur spekulieren.

Wichtig ist das Programm, das bei Lindemann im Klartext nachzulesen ist. Sein Untertitel soll natürlich gelesen werden: Deutschland darf auf keinen Fall in A* scheitern. Es muss bei den Siegern dieses Krieges sein. Warum? Weil sonst die Terroristen auch Deutschland bedrohen. Da zeigt sich eine Art Erklärungsnotstand dieses durchaus nicht dummen Autors. Warum? Weil er den eigentlichen Grund, der im Appell „Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan“ genannt wird, nicht offen proklamieren kann: Weil Deutschland seine Rolle als eine der führenden Weltmächte, als ein Mitglied der inoffiziellen „Welt-Junta“ unbedingt behaupten und ausbauen muss.

Was so nicht offen gesagt werden kann, wird kollektivsymbolisch aber völlig unmissverständlich eingestanden: Mittels des Fußball-Ligen-Symbols. Fast ununterbrochen beklagt Lindemann, dass die Bundeswehr, wenn sie so weiter macht, auf „Kreisliganiveau“ bleiben und nie auf das Niveau der „1. Liga“ aufsteigen könne. Diese Trainer-Understatements, um die Jungs zum äußersten anzuspornen, kennen wir schließlich.

Dazu passt auch das ständig propagierte Vorbild USA: Natürlich sind „wir“ keine Supermacht und nicht Number One – aber ein bisschen sollten „wir“ uns schon zusammenreißen. Wenn nun die USA die Großoffensive in der deutschen Zone eröffnen, können „wir“ doch nicht in „unserer eigenen Zone“ in den Basislagern bleiben und zukucken! Wie sieht das denn aus? Also voll eskalationsfähig werden! Ohne Rücksicht auf das Geld, das das kostet (Geld wird nie quantifiziert, bloß immer noch viel mehr als absolut notwendig gefordert).

Und damit wir uns auf der Zunge zergehen lassen können, was es heißt, wenn Guttenberg dieses Programm wirklich in allen konkreten Forderungen jetzt nachzubuchstabieren scheint, noch etwas O-Ton Lindemann:

„Die Panzerhaubitze 2000 wäre ein guter Anfang. Sie würde dafür sorgen, dass sich jeder Angreifer in einem Umkreis von 40 Kilometern reiflich überlegen muss, ob er wirklich bereit ist, ins Paradies einzutreten. Seine Chancen darauf würden sich nämlich beim Abfeuern einer BM-1 potenzieren. Um die Risiken von Kollateralschäden zu minimieren, könnte die Truppe vor Ort auch ganz offen mit der Gefahr für die Bevölkerung umgehen. Es könnten Laufzettel mit Warnhinweisen verteilt werden, die vom Aufenthalt in den bekannten Raketenabschussräumen zu gewissen Uhrzeiten abraten. Sogar Karten wären denkbar, in denen die gefährdeten Bereiche rot markiert werden. Natürlich [!!] lässt sich die grundsätzliche Gefahr, auch Unschuldige zu treffen, niemals ausschließen. Doch letztlich hängt auch das Wohl der afghanischen Bevölkerung davon ab, ob es uns gelingt, die Aufständischen zur Aufgabe zu bringen.“ (Seite 118)

Jetzt sind wir gespannt, ob demnächst auch tatsächlich solche Handzettel (für Analfabeten!) in der deutschen Zone verteilt werden. Soviel ist klar: Indem Guttenberg-Wieker Lindemanns Vorschläge angenommen haben, ist der Afghanistanappell definitiv bestätigt: Ja, die Bundeswehr führt einen Anti-Guerillakrieg mit Eskalationsstrategie. Ja, sie führt ihn primär, um ihre „Erstligafähigkeit“ zu beweisen.

Der Appell kann hier weiter unterzeichnet werden.

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