kultuRRevolution | Wenn (99 Jahre nach 1914) wieder „die Optionen auf dem Tisch liegen“
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Wenn (99 Jahre nach 1914) wieder „die Optionen auf dem Tisch liegen“

Nächstes Jahr wird „die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ 100 Jahre alt. Hätten sie gewusst, was sie im August 1914 losgetreten hatten, so hätten sie lieber einen Kompromiss geschlossen, meinten (sicher ehrlich) einige Kaisergeneräle von damals post mortem. (Giftgasangriffe, zuerst von Deutschen, dann von allen praktiziert, gehörten auch dazu.) Aber sie hatten eben die Optionen der Eskalationsszenarien durchgerechnet, auch wenn man das damals noch nicht so nannte. Die deutsche Regierung, die eine Art Militärregierung war, hatte ein „window of opportunity“ (Chancenfenster) entdeckt, das sich demnächst zu schließen drohte (auch wenn man das ebenfalls noch nicht so nannte).

Es ist kein Zufall, dass auch die Generalstäbe von heute in „Szenarien“ mit „Optionsbäumen“ nach Wahrscheinlichkeitskalkülen rechnen (inzwischen mit Computerunterstützung). Aber dass es dabei angeblich um „Skripten“ und „Narrative“ geht, lässt tief blicken: Diese Art „apokalyptische Literatur“ beweist wider Willen, dass auch modernste Hightechkriege nicht normalisierbar sind und es auch nie werden. „Die Optionen sind auf dem Tisch“ – das heißt, dass da schlechte Literaten am Schreibtisch sitzen und Apokalypsen simulieren. Aber ihren „Optionen“ entsprechen militärische Automatismen, gegen die der Schlieffenplan tatsächlich „alt aussieht“. Denn „auf dem Tisch liegen“ Eskalations-Stufen wie „Straße von Hormus geschlossen“, „Iran wird hineingezogen“ usw. – nach oben offen,

Bleibt zu hoffen, dass diesmal (anders als 2003, wo sie „jubilierten“) die Souveräne letzter Instanz, also „die Märkte“, kalte Füße bekommen und trotz Giftgas-Narrativ den Wiederholungszwang aushebeln.