kultuRRevolution | Unsere Azubis und ihre „Tanzknaben“: Wie die Bundeswehr für Frauenemanzipation schießt, oder der Totalbankrott des selektiven Universalismus
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Unsere Azubis und ihre „Tanzknaben“: Wie die Bundeswehr für Frauenemanzipation schießt, oder der Totalbankrott des selektiven Universalismus

Folgt man Künast-Trittin, dann macht die Bundeswehr in Afghanistan täglich Fortschritte bei der „Stabilisierung“. Außer Künast-Trittin und ihren Symps blickt aber kaum noch jemand durch. Denn was geschieht nächtlich? Sehr viel, wie sich herausstellt. Während regelmäßig in Night Raids als „Aufständische“ denunzierte Männer und Frauen (!) gekillt werden, verhandeln die Geheimdienste (geheim, wie es sich gehört, also höchst demokratisch), auch in Deutschland, mit den Taliban (deren „Rückkehr“ es unbedingt zu verhindern gilt – wegen der gefährdeten Schulmädchen).

In diesem Blog wurden die Karzai-Milizen, mit denen die Bundeswehr ihre Raids durchführt (offiziell heißt das „Ausbildung on the job“) ironisch als „Azubis“ bezeichnet. Nun wird plötzlich ein „Thema“ medialisiert, das den „Kennern“ immer bekannt war: Unsere Azubis, jedenfalls deren Kommandeure, lieben „Knaben“ (offiziell „Tanzknaben“ genannt). Friederike Böge, Frontamazone und Alice Schalek der Fatz, die noch kein schlechtes Haar an der Bundeswehr gelassen hat, berichtet in der FAS vom 22.5.2011 ausführlich über das, was in „unserer Kultur“ extremer, permanenter Kindesmissbrauch heißen müsste. Sie ordnet diese Art „erotischer“ Night Raids kulturell ein: Eine alte Tradition usw. (Richtig: Hafis und der „Schenke“, Platen und die Schenken, Goethes „Buch des Schenken“.) Übrigens plädiert sie nicht offen für Toleranz, berichtet nur, dass unsere Azubis durch diese Tradition stark motiviert sind, und dass sie ohne „Tanzknaben“ vielleicht nachhause gehen würden.

Was ist selektiver Universalismus? Es ist ein Universalismus, der sich einäugig interessenabhängige Rosinen herauspickt und sich blind für alles andere stellt: Die Bundeswehr darf nicht aus Afghanistan abgezogen werden, weil die dortigen Schulmädchen angeblich nicht auf unsere Jungs verzichten können. (Würde das blinde Auge geöffnet, sähe es: In den Gebieten „gemäßigter Taliban“ sind die Schulmädchen sicherer als in unserer Zone! Und der BND verhandelt ja mit den Führern der Taliban, während unsere Jungs die kleinen denunzierten Taliban und deren „Mob“ killen und beschießen müssen.)

Was folgt daraus? Dass die Bundeswehr eben nicht wegen der Schulmädchen am Hindukusch bleibt, sondern weil „Deutschland“ seinen Platz in der selbsternannten Welt-Junta („gewachsene Verantwortung“ genannt; siehe die Bundeswehr-„Reform“) behaupten „muss“. Muss?

Ceterum censeo exercitum germanicum ex Afghanistan esse recedendum.